Neues Zuhause für Auszubildende
Pfarrhaus in Zuzenhausen wieder bewohnt
Das historische Pfarrhaus in Zuzenhausen aus dem Jahr 1870, direkt neben der Kirche gelegen, stand seit einiger Zeit leer. Und es war klar, dass Zuzenhausen kein Pfarrsitz mehr werden wird.

Gruppenbild vor dem historischen Pfarrhaus in Zuzenhausen
Quelle: Franz Becker
So trat der Kirchengemeinde mit der Frage an Frank Becker, Geschäftsführer der Kirchlichen Sozialstation, heran, ob sich das Gebäude für ein Angebot für Seniorinnen und Senioren eignen könnte.
Nach einer gemeinsamen Besichtigung im Februar entstand jedoch eine andere Idee: Das Haus soll zu einer Wohngemeinschaft für Auszubildende umgebaut werden!
Durch die erforderlichen Investitionen konnte nun komfortabler Wohnraum für bis zu acht Auszubildende geschaffen werden. Die Zimmer wurden nach modernen Standards saniert, teilweise neu zugeschnitten und das gesamte Gebäude umfassend modernisiert. Ein Großteil der Elektroinstallation wurde erneuert, ein zeitgemäßer Internetanschluss eingerichtet und alle Zimmer vollständig möbliert. Neue Sanitäreinrichtungen, drei moderne Duschen sowie eine großzügige Gemeinschaftsküche machen das Haus heute zu einem attraktiven Wohnort.
Vor allem Pflegeschülerinnen, die aus dem Ausland kommen, um die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau bei der Kirchlichen Sozialstation zu absolvieren, finden hier ein bezahlbares und sicheres Zuhause. Die gute S-Bahn-Anbindung macht Zuzenhausen zusätzlich zu einem attraktiven Wohnstandort.
Die Kirchliche Sozialstation bildet derzeit parallel rund 22 Auszubildende zur Pflegefachkraft aus. Darüber hinaus absolvieren bis zu 15 weitere Schülerinnen und Schüler externer Einrichtungen ihr 400-stündiges Praktikum im Bereich der ambulanten Pflege.
Rund die Hälfte unserer Auszubildenden stammt aus Deutschland oder lebt bereits hier. Die andere Hälfte wird gezielt im Ausland angeworben. Aktuell kommen die Mitarbeitenden und Auszubildenden unter anderem aus Marokko, Tunesien, der Türkei, Vietnam, Madagaskar und Syrien.
Mit diesem Konzept macht die Kirchliche Sozialstation sehr gute Erfahrungen. Besonders wichtig sind eine gute sprachliche Vorbereitung und die persönliche Eignung der Bewerberinnen. Dadurch gelingt der Einstieg in die Ausbildung und die Integration in die Pflegeteams meist sehr erfolgreich. Unterstützt werden die Auszubildenden von einem engagierten Team aus Praxisanleitenden sowie einer externen Sprach- und Fachdozentin. Unter der Leitung von Ausbildungsleiterin Esther Beyer konnte ein Ausbildungsangebot dieser Größenordnung erfolgreich aufgebaut werden.
Das Ziel ist es, die Zukunft der ambulanten Pflege in Sinsheim, Zuzenhausen, Angelbachtal und der gesamten Region nachhaltig zu sichern. Angesichts einer wachsenden Zahl pflegebedürftiger Menschen und der bevorstehenden Verrentung vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Babyboomer-Generation ist die Gewinnung qualifizierter Nachwuchskräfte wichtiger denn je.
Für die Kirchliche Sozialstation und die Evangelische Kirchengemeinde Zuzenhausen ist dieses Projekt ein gelungenes Beispiel gelebter Zusammenarbeit. Bei der Besichtigung der fertiggestellten Räume zeigten sich die Mitglieder des Kirchengemeinderats begeistert vom gelungenen Ambiente. Auch in Zuzenhausen freut man sich bereits über die ersten Bewohnerinnen und Bewohner. Das ehemalige Pfarrhaus ist wieder mit Leben gefüllt und ein Ort geworden, an dem Zukunft gestaltet wird.
