Stadtkirche: Geschichte, Sehenswertes
Als eines der größten und ältesten Baudenkmale steht die Stadtkirche in einer Länge von ca. 51 Metern und einer Breite von ca. 15 Metern mit dem bis zur Spitze 37 Meter hohen Glockenturm im Zentrum der Stadt - ein wahres Glanzstück der "Großen Kreisstadt Sinsheim".


Das markante Gebäude mit seinem eindrucksvollen Zwiebelturm und den barocken Eingängen zeigt sich dem Betrachter weitgehend in dem äußeren Erscheinungsbild, in dem es 1782 bis 1788 errichtet wurde.
Grundriss der Evangelischen Stadtkirche Sinsheim
| 1 | Altarraum | 6a | Wappenstein der Kurpfalz | 9 | Steinernes Kreuz |
| 2 | Chorwand mit Evangelisten | 6b | Grabstein des ersten reformierten Predigers, Rufus Helffenstein | 10 | Wappenstein |
| 3 | Fenster | 6c | Grabplatte des katholischen Pfarrers Stephan Völker |
11 | Kirchturm |
| 4 | Weihnachts- und Karfreitagsfenster | 7 | Dachkonstruktion | 12a | Glocken |
| 5 | Steinmeyer-Orgel | 8a | Portalschmuck Kircheneingänge | 12b | Taufglocke |
| 8b | Portalschmuck Eingang Turmzimmer | 13 | Mechanisches Uhrwerk |
Kleiner Rundgang durch die Stadtkirche
Als eines der größten und ältesten Baudenkmale steht die Stadtkirche in einer Länge von ca. 51 Metern und einer Breite von ca. 15 Metern mit dem bis zur Spitze 37 Metern hohen Glockenturm im Zentrum der Stadt. Ein wahres Glanzstück der „Großen Kreisstadt". „Wohl kaum in all den Jahrhunderten dürfte die Kirche schöner ausgesehen haben als nach der großen Außenrenovierung 1993", so ein damaliger Zeitgenosse.
Heute möchten wir dieses ergänzen: Mit der großen Innenrenovierung 2002/2003 ist die evangelische Stadtkirche ein Schmückstück in Sinsheim geworden.
Das markante Gebäude mit seinem eindrucksvollen Zwiebelturm und den barocken Eingängen zeigt sich dem Betrachter weitgehend in dem äußeren Erscheinungsbild, in dem es 1782/88 errichtet wurde.
Neben diesem historisch unverfälschten Gesamteindruck weist die Kirche aber auch Sehenswürdigkeiten aus vielen Epochen im Detail auf. Ein Rundgang durch das Gotteshaus und außen herum möchte auf diese Sehenswürdigkeiten aufmerksam machen.
INNENRAUM
1. Taufstein, Altar und Kanzel sind das Werk der Architekten Lothar Huber , geboren 1929, der die heute noch bestehende Konzeption des Innenraumes mit der Zusammenlegung der evangelischen und katholischen Kirche 1965/66 entwarf.
Der Bildhauer Gustav Nonnenmacher , geboren 1914 in Stuttgart, ist mit zwei Arbeiten in unserer Kirche vertreten:
2. An der Rückwand des Altarraumes finden wir v.l.n.r. die Darstellungen der vier Evangelisten



Engel, Löwe, Stier und Adler– die vier Steinreliefs symbolisieren die vier Evangelisten im Neuen Testament: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.
Wie kommen die Evangelien zu diesen Symbolen? In der Offenbarung des Johannes, Kapitel 4 werden vier himmlische Gestalten beschrieben, die Gott im himmlischen Thronsaal loben und preisen. Was liegt näher als diese auf die vier Evangelien zu beziehen, die in und mit Ihren Schriften Gott auch loben und preisen. In Vers 7-8 werden diese Gestalten beschrieben: „Und die erste Gestalt war gleich einem Löwen, und die zweite Gestalt war gleich einem Stier, und die dritte Gestalt hatte ein Antlitz wie ein Mensch, und die vierte Gestalt war gleich einem fliegenden Adler. Und eine jede der vier Gestalten hatte sechs Flügel, und sie waren außen und innen voller Augen, und sie hatten keine Ruhe Tag und Nacht und sprachen: Heilig, heilig, heilig ist der Gott, der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt.“
3. In den "neuen" Fenstern des Kirchenschiffes von 1966 hat Gustav Nonnenmacher christliche Symbole dargestellt, so den Fisch am ersten Fenster neben der Empore an der Nordwand oder die Taube am dritten Südfenster von links. Entdecken Sie weitere Symbole? .






4. Von den "alten" Fenstern, Stiftungen aus dem Jahre 1896, die sich ursprünglich links und rechts neben der Kanzel im ev. Teil der Simultankirche befanden, sind noch das Karfreitags- und das Weihnachtsfenster erhalten geblieben. Sie schmücken heute das Treppenhaus zur Empore.
5. Die Orgel aus dem Jahr 1968.
Mit der alten Orgel aus dem Jahre 1931 ist die evangelische Gemeinde nie richtig glücklich geworden. .
Die neue Orgel , in der die noch guten Register aus der alten Orgel verwendet wurden, stammt aus der Werkstatt des bekannten Orgelbauers Steinmeyer . Sie hat ein Orgelwerk mit 39 klingenden Registern, Schleiflade mit elektrischen Spielhilfen. Mit dem Einbau wurde 1968 begonnen. Die Disposition hat Dr. Leib entworfen.
6 Kleinodien stellen die drei steinernen Zeugen aus der Vergangenheit dar:
6 a Ein alter Wappenstein der Kurpfalz.
Bei Bauarbeiten 1967/68 wurde in der Westwand der zweiten Empore ein Stein mit der Kurpfälzer Raute und dem Löwen entdeckt, der mit hoher Wahrscheinlichkeit eines an der Uhrentafel der vor 1782 an dieser Stelle befindlichen Kirche angebrachte Wappen darstellt . Jetzt ist der Stein im Treppenhaus zu sehen .
6 b Der älteste erhalten gebliebene Grabstein.
Ursprünglich im alten Friedhof an der Werderstraße aufgestellt, dann für 140 Jahre im Pfarrgarten des heutigen ev. Dekanats, ist der Grabstein im Zuge der Renovierung 2003 in der Kirche untergebracht worden.
Die Inschrift lautet: Petrus Helffenstein, erster reformierter Prediger dahier und Inspector der Class / Geb. den 14. Merz 1717 + gest. den 26. Merz 1785 + Seine Kinder errichteten dieses Denkmal...
6 c Grabplatte des kath. Pfarrers Stephan Völker
Im Fußboden genau an der Treppenwand wurde bei Bauarbeiten (1967/68) ein Epitaph mit Messkelch und Oblate gefunden, dessen lateinische Inschrift auf einen 1698 in Franken geborenen und 1757 verstorbenen Priester hinweist. Diese Grabplatte wurde 2003 vom hinteren Teil der Kirche im vorderen Treppenhaus aufgestellt. Es ist die Grabplatte des Dekans Stephan Völker 1698 - 1755, der 20 Jahre in Sinsheim wirkte .
7. Dachkonstruktion
Das mächtige Satteldach der Kirche wird getragen vom original erhaltenen Gebälk aus der Bauzeit 1782. Das Bild zeigt die schöne Zimmermannsarbeit aus der Spätbarockzeit über dem Chor der Kirche: Kehlbalken / Kehlriegeldach mit zweifach liegenden Stühlen in zwei Geschossen
AUSSENBEREICH
Auch beim Gang rund um die Kirche finden wir bemerkenswerte Details:
8. Die heutigen Eingänge zur Kirche
Die Portale unserer Kirche stammen noch aus der Bauzeit 1782/88:
8 a Portalschmuck
Der barocke Portalschmuck an der Nord- und Südseite der ehemals katholischen Kirche ist reich verziert. Über der Nordtür wurde 1785 eine Urkunde eingemauert. Der stark beschädigte Sturz und die Girlandenverzierungen sind 2003 restauriert worden.
8 b Eingang zur Turmkapelle
Über den Eingang zum EG-Zimmer des Glockenturmes finden wir Fragmente des Stiftswappens, einen Flügel des Erzengels Michael. Den Flügel finden wir auch am Haus Kirchplatz 8, dem 1788 erbauten ehem. katholischen Schulhaus, und um 1766 erbauten ehem. katholischen Pfarrhaus Ecke Bahnhofstr, dem langjährigen Gasthaus "Drei Könige".
Im Turmzimmer selbst hingen bis 1931 die Glockenseile. 1931 wurde das Geläut mit Elektromotoren ausgestattet. Bis 2003 hatte die Gefallenengedenktafel hier ebenfalls ihren Platz, jetzt befindet sie sich im Treppenhaus der Kirche.
9. Das Kreuz außen am Chor,
stammt aus der Zeit der Rekatholisierung der Kurpfalz und wurde ursprünglich 1742 auf dem Marktplatz vor dem Rathaus errichtet. 1812 wurde es im Zuge der Stadtverschönerung an die Ostseite der katholischen, jetzt evangelischen Kirche umgesetzt. Beim Anbau der Sakristei im Jahre 1907 wurde es davor, nach dem Abriss 1967 wieder zurück an die Kirchenwand gestellt
10. Wappenstein
Die Herkunft das neben dem Südeingang zur ev. Kirche oben links befindlichen Wappensteins ist ungeklärt. Er weist mit den beiden Löwen und der Raute auf die Kurpfalz hin, evtl. ein bischöfliches Wappen Speyer.
TURM
11. Der Turm
Wegen Baufälligkeit durch Sturmschäden wurden die Glocken und die Uhr abgenommen und er Turm 1780 abgebrochen. Er stand auf der Südseite der Kirche.
Der Bau eines neuen Turms verzögerte sich, da die Reformierten
und Katholiken sich über die Platzfrage nicht einigen konnten.
Im Mai 1806 entschlossen sich die Reformierten, sehr zum Schmerz
der Katholiken, zur Grundsteinlegung des Turms an der heutigen Stelle.
Im November wurden drei neue Glocken auf dem Turm eingehängt
und im Januar 1807 wurde ein großer Dankgottesdienst in der
reformierten Kirche gefeiert.
12a Die Glocken
Die alten Glocken unserer Kirche stammten aus dem Jahre 1806. 1917 und 1942 mußten sie der Kriegsmaschinerie geopfert werden.
1958 nahmen Katholiken und Protestanten vier neue Glocken im Empfang, die auch mit dem Auszug der Katholiken in der Kirche verblieben.
Namen und Tonlagen dieser Glocken lauten: Christus-Glocke "c", Marien-Glöcke "es", Josephs-Glocke "f", Bet-Glocke "as".
Das neue Geläut der katholischen Kirche wurde auf unsere Glocken abgestimmt, damit sie beim gemeinsamen Läuten harmonisch über unsrere Stadt schallen.
12 b Die Taufglocke
Im Februar 1960 berichtet Dekan Glöckler im Evang. Gemeindeboten: „.... In diesen Tagen wurde die kleine historische Glocke, ... , auf einem kleinen Glockenstuhl über dem Vierergeläute montiert. Das Glöckchen stammt aus dem Jahre 1449, hat also das hohe Alter von 511 Jahren und wurde von einem Meister Christoph gegossen. Nach gotischer Manier trägt es Verzierungen am oberen und unteren Rand und in der Mitte der Glocke ein Bild. Mit seiner hellen Stimme, die wahrscheinlich nur den Näherwohnenden hörbar sein wird, soll es während der Taufe geläutet werden " . Diese Funktion erfüllt "das älteste Stück unserer Kirche noch heute: Läuten zur Taufe.
13. Mechanisches Uhrwerk
Im Aufgang des Turmes auf dem Weg zu den Glocken
ist das alte, mechanische Uhrwerk aufgestellt, das
ehedem die Uhr antrieb.
Es stammt aus dem Jahr 1842 von der Firma
Studer Rothenfels, hat zwar längst ausgedient,
aber heute noch kann man die ausgeklügelte
Feinmechanik bewundern, die damals den Gang
der Stunden und den Glockenschlag
esteuert hat.
Das Uhrwerk ist noch voll funktionsfähig.
Kirchenfenster
1930
Fenster in der Stadtkirche.
Im Evangelischen Gemeindeboten Ausgabe Oktober 1930 schreibt Dekan Eisen : „....Seit dem 21. September kann der Gottesdienst wegen der baulichen Erneuerungsarbeiten nicht mehr in unserem Gotteshaus abgehalten werden. In dankenswerter Weise ist uns von der katholischen Gemeinde deren Kirche zur Abhaltung unserer Gottesdienste zur Verfügung gestellt worden...
...Im Inneren haben auch schon die Emporen eine Umänderung erfahren, so dass die Fenster rechts und links der gemalten Fenster frei werden.............Da sollten halt neben das Weihnachts- und Charfreitagsfenster noch ein Oster- und Pfingstfenster.
Damit sind die offiziellen Bezeichnungen der noch vorhandenen an Fenster an der Treppe : Karfreitags- und Weihnachtsfenster - belegt.
Die neuen Fenster kosten der Gemeinde zusammen 1700 R-Mark. Das ist viel Geld in der damaligen Zeit. In der Dezemberausgabe 1930 wird berichtet, dass erst 17 RM-Mark an Spenden eingegangen sind. Besorgt fragt Dekan Eisen „...soll ich die Bestellung wagen?"
Im Januar 1931 heißt es in dieser Schrift: „...........Herr August Laux in Lockport, New York hat uns ein Kirchenfenster gestiftet." Er schreibt Herrn Dekan Eisen u.a. hierzu „..........bin gerne bereit für das Oster- oder Pfingstfenster die nötigen 800 Mark am 1. Februar zu überweisen, zum Andenken an meine Eltern Karl und Elisabeth Laux, welche im Sinsheimer Friedhof zur letzten Ruhe gebettet sind". Außerdem lagen 5 Dollar dem Brief bei.
Weiter schreibt Dekan Eisen:".............so schreibt mir heute unter Beilage von 5 Dollar Herr Phillipp Grill in Lindenhurst: „Anbei schicke ich ihnen 5 Taler................".
In der Februarausgabe schreibt dann Dekan Eisen: „.......die Glasmalfenster sind vergeben und werden zur Konfirmation, wenn nichts dazwischen kommt, das Gotteshaus schmücken".
April 1931
Am Sonntag, Judika, zur Konfirmation von 14 Knaben und 10 Mädchen ist es endlich soweit.
„.....Der ganze Gemeinde brachte er die große Freude der beiden Glasmalereifenster. Entworfen von dem damals jungen Karlsruher Künstler, Albert Fink, hergestellt in der Glasmalereifirma Großkopf-Karlsruhe 1930/31.
Beschreibung:
„die Aufgabe die dem entwerfenden Künstler von Herrn Dekan Eisen gestellt wurde, war nicht leicht:
In edler Schlichtheit und deutsch-evang. Glaubenstiefe sollte er den Oster-, Himmelfahrts- und den Pfingstgedanken zum Ausdruck bringen und dabei eine Verbindung herstellen zu den gestalten- und farbenreichen, ornamental-barockschweren, schon vorhandenen Fenstern, die die Weihnachts- und Karfreitagsgeschichte erzählen. Der Künstler, Herr Fink, hat eine glückhafte Hand.
Weiß, rot, blau, gelb und etwas grün in verschiedenen Abtönungen sind die einzigen Farben, keine harten Farben, nein zart und weich. Jesus, dem Grabe entschwebend, die Menschheit segnend, der Ostersonne verklärend Licht entgegen. Gütig, mild sein Antlitz - so das Oster-Himmelfahrtsfenster und als Sockel für die Figur das dornenumschlungene Kreuz mit der roten Karfreitagsrose - .
Des Pfingstfensters Gestalt ein Jünger vom Heiligen Geist - durch die niederschwebende Taube symbolisiert - erfüllt, weist nach oben, von wo ihm die Erleuchtung kommt. Man sieht, er spricht in Zungen. Sein Antlitz ekstatisch, dem Irdischen abgewandt, mit einem leicht fanatischen Zug der Begeisterung. Der tragende Sockel hier die Lutherrose mit dem roten Herzen, hinweisend auf den Reformator, in dem der Gottesgeist so gewissens- und glaubensstark lebendig war"...
Soweit die Beschreibung von Herrn Dekan Eisen.
1954
Am 2.10.1954 berichtet Pfarrer Glöckler im Sonntagsblatt für Baden:
Vor einiger Zeit sind nun die beiden Glasfenster (Weihnachts- und Karfreitagsfenster) rechts und links der Kanzel aus der Werkstatt des Glasmalers Meysen in Heidelberg zurückgekehrt. Kunstfertig ausgebessert, an manchen Teilen ergänzt und gereinigt, leuchten sie nun ohne davor gestellte Schutzfenster im neuen Glanz der Farben. Die Reparaturkosten für ein Fenster konnten wir mit den Gaben decken, die wir seinerzeit für diesen Zweck erbeten haben.
Die beiden äußersten Fenster (Oster- und Pfingstfenster) werden nun herausgenommen und durch einfarbige Kathedralglasscheiben ersetzt, da das Anbringen neuer Figurenfenster zur Zeit wegen großer finanzieller Anspannung nicht möglich ist.
Die erneuerten Fenster an der Kanzel sind Stiftungen von 1896. Ob sich für die beiden äußeren oder für jeweils für eines ein Stifter findet, so wie das seit den Tagen des Mittelalters gerade für Glasfenster in den Kirchen üblich war? Wir möchten diese Frage einmal stellen.
1896
Im Protokollbuch des evang. Kirchengemeinderates vom 18. September 1896 steht zu lesen:
„2. Wird mitgeteilt, dass die Erben des verstorbenen Herrn Kfm. Louis Frank uns, zu Andenken an denselben der evang. Kirche 2 gemalte Glasfenster im Werte von 1500,- stiften."
Kreuzigungsgruppe aus dem Jahre 1742
Die Inschrift lautet::
Orthodoxa cohors non saxo scultile / sed quem praesentat saxa forma colit
Die rechtgläubige Schar verehrt nicht das Steinbild sondern denjenigen, den die steinerne Form darstellt
Die weiteren Sprüche sind Chronogramme, die Anfangsbuchstaben ergeben die römische Zahl 1742, das Jahr der Entstehung:
Iesvs innoxis agnvs ignominiosae crvci adhaesvs.
Jesus, das unschuldige Lamm, an das schmachvolle Kreuz gehängt.
Fvlget homo hac statva lvx via vita dves.
Er erstrahlt durch dieses Bild als Mensch, Licht, Weg, Leben, Gott
Hicce crvci affixus qvi exstirpat crimina cvnta
Diese hier, dem Kreuz angeheftet, er tilgt alle
Orgel in der Stadtkirche
1930
Im Jahre 1930 wurde bei der Firma Fr. Bettex in Steinsfurt eine Orgel bestellt.
„...Leider kann sie erst gegen Ostern aufgestellt werden, ..." also 1931.
Diese Orgel erklang nur 36 Jahre.
Die Gemeinde und auch der Organist waren nie glücklich mit dieser Orgel, „...ein geordnetes und liturgisch verantwortbares Spiel war nicht möglich". So Dekan Glöckler im evang. Gemeindeboten August 1961. Im Januar 1932 hieß es bereits im Gemeindeboten „... und auch unser Sorgenkind, die Orgel, konnte uns wenn auch noch nicht völlig fertig, dank der aufopfernden Arbeit von Ingenieur Größel und Orgelbauer Hofmann, die 4 Tage und Nächte ununterbrochen gearbeitet haben, in den Weihnachtstagen zu Ehre Gottes klingen.
Am 4.4.1959 erklingen um 19:05 Uhr die Glocken der Evangelischen Kirche
im Südddeutschen Rundfunk.
Pfr. Glöckler schreibt hierzu im im Evang. Gemeindeboten:
„...Die Glocken klangen in ihrem natürliche Klang, ...geschlossen im Zusammenhang.
Auch die Orgel hat sich wacker gehalten, so dass der Eindruck entstehen konnte, sie wäre in der Tat in Ordnung. Aber der Schein trügt. Unser Organist musste gerade zu dieser Aufnahme alle Listen und Kniffe anwenden, um zu verhüten, dass sich die Register nicht selbständig machten und dazwischen tönten, wie wir das immer wieder bei den Gottesdiensten erleben.
Pfingsten 1959 kamen bei einer Sammlung durch 54 (!) Sammler im Ort von Haus zu Haus 7800,00 DM zusammen.
Im Dezember 1959 beschloss der Kirchengemeinderat unter Dekan Glöckler die Renovierungsarbeiten an der Orgel zu vergeben. Beauftragt mit den Arbeiten wurde die Orgelbaufirma Stahlhut in Aachen. Erst 1961 war ein ordentliches Spielen möglich und erstmals ihr voller Klang zu hören. Gesamtkosten 23.000 DM. Fehler am Spieltisch mussten behoben werden und ein klanglicher Umbau der gesamten Orgel war erforderlich.
Am 16.7.1961 war dann unter Anteilnahme einer großen Gemeinde die Orgelweihe.
Gespielt wurde die Orgel von den Organisten Herrn Wilmar Zipf und Frl. Brötel.
1968
Die alte Orgel aus dem Jahre 1931 hatte nach dem Abriss der 
Scheidewand denn auch ihre Dienste getan, zumal die
evangelische Gemeinde nie richtig glücklich mit ihr war.
Ein Neubau wurde beschlossen, in dem noch wirklich gute Register aus der alten Orgel Verwendung gefunden haben.
Die neue Orgel stammt aus der Werkstatt des bekannten Orgelbauers Steinmeyer, und hat ein Orgelwerk mit 39 klingenden Registern, Schleiflade mit elektrischen Spielhilfen.
Mit dem Einbau wurde 1968 begonnen. Die Disposition hat Dr. Leib entworfen, wobei auf örtliche Wünsche für die Ausstattung weitgehend - auch vom Kirchengemeinderat - Rücksicht genommen wurde. Orgel 2004
Ölgemälde „Jesus am Kreuz"
In der Stadtkirche befindet sich im Flur im 1. Stockwerk an der Wand zwischen den Eingängen zur Empore ein Ölgemälde „Jesus am Kreuz". Hierzu folgende Hinweise:
Dieses Ölgemälde stammt aus der Werkstatt des bekannten Chur. Pfältzischen und Hoch-Fürstl. Württemb. Hoff Mahlers Livio Retti aus dem Jahre 1745 und trägt den Titel
„ Jesus am Kreuz".
In der RNZ steht 1994 zu lesen: „ ...die Kirchengemeinde Sinsheim kann damit stolz sein, einen bisher unbekannten „Original-Retti", der sicher einen gewissen Wert darstellt, in ihrem Besitz zu haben".
Das Bild hing bis zur Vereinigung der Lutherischen und Reformierten Kirche 1821, in der luth. Kirche in der Rosengasse. (Wilhelm Bauer 1994)
Zur Herkunft:
Die Stifterin Clara Catharina Kauffmann war Ehefrau des Sinsheimer Stadtschultheißen und Stiftschaffners (Verwalter der Liegenschaften des ehemaligen Benediktinerklosters) Georg Balthasar Kauffmann. Dieser war 1707 bis 1708 churpfälzischer Stadtschultheiß in Sinsheim. Er starb 1775 im 93. Lebensjahr.
Dieses Bild wurde von dem Sinsheimer Maler J.P. Schulz kopiert und auf dem Speicher des Daisbacher Pfarrhauses nach Auszug des Pfarrers Östereicher entdeckt.
Scheidewand
1705 Kurfürst Johann Wilhelm ordnet die Kirchenteilung in der Kurpfalz an.
1712 Erhält die Sinsheimer Kirche eine Scheidemauer.
1766 Droht die Kirche, als Folge des großen Brandes, einzustürzen.
1782 Wird der evangelische Teil der Kirche wieder bezogen.
1785 Weihe des katholischen Teils.
1967 Abbruch der Scheidemauer
Auszüge aus den Kirchenbüchern...
1706/ 07
Wurde durch die Religionsdeklaration in der Kurpfalz „die Teilung der Kirchen und Gefälle" zwischen den Katholiken und Reformierten" verfügt. Es erhielten den Chor die Katholiken und die Reformierten das Langhaus. Für den Ausbau des evang. Teiles der Kirche wurde 1712 in allen reformierten Gemeinden der Kurpfalz eine Kollekte mit Schüsseln durchgeführt, um in Sinsheim den Kirchbau zu ermöglichen; denn noch immer fehlte dem Langhaus das Dach. Wegen der „Scheidemauer", die Chor und Langhaus trennen sollte, gab es zwischen den Beteiligten einen langen Streit, der 1715 mit einem gegenseitigen Vertrag endlich beigelegt wurde. Nun wurde die heute noch stehende Scheidemauer errichtet, und die „nunmehrige reformierte Kirche" geschlossen.
1766
Drohte der Einsturz dieser Kirche, so dass niemand mehr in die Kirche gehen wollte. Das wohl durch den Brand von 1689 mitgenommene Mauerwerk trug den gewölbten Dachstuhl nicht mehr und wich nach der Seite aus. Die Gemeinde verließ das Gotteshaus und zog in die Totenkirche am „Gottesacker", auf dem heute die Carl-Orff-Schule früher (1953) das Wilhelmi-Gynasium steht.
Wegen Baufälligkeit des Turms wurden Glocken und Uhr abgenommen und dieser selbst abgebrochen (1780).
Im Sommer 1781 kam das Langhaus endlich wieder unter Dach, nach der vorangegangenen Reparatur des Mauerwerks. Am 15. 12. 1782 zog die Gemeinde voll großer Freudigkeit in ihr neues Gotteshaus ein.
Das markante Gebäude mit seinem eindrucksvollen Zwiebelturm und den barocken Eingängen zeigt sich dem Betrachter weitgehend in dem äußeren Erscheinungsbild, in dem es 1782/88 errichtet wurde.
Es wurden viele Stiftungen für das neue Gotteshaus gemacht: Förster Raussmüller schenkte einen „fein gearbeiteten Klingelbeutel", Apotheker Greif „eine neue Basler Foliobibel in schwarzem Corduam gebunden mit goldenem Schnitt". Auch die Stadt befand sich mit 40 Eichenstämmen für den Innenausbau unter den Spendern, samt 23 Gemeinden aus der näheren und weiteren Umgebung mit „milden Beisteuern"! An der Gemeinde blieben 800 Gulden Schulden hängen, die aber „durch eine Schlüsselkollekte in reformierten Gemeinden diesseits und jenseits des Rheins" getilgt werden konnten.
Der Innenraum der Kirche wurde allerdings erst 1788 ganz fertiggestellt.
Der Kirchturm
1780
Wegen Baufälligkeit des Turms wurden Glocken und Uhr abgenommen und dieser selbst abgebrochen (1780).
Die „Uhrtafel" - so Wilhelmi - von gehauenen Sandsteinen war im Turm eingemauert gewesen und hatte auf der rechten Seite das Kurpfälzische, und auf der linken das hiesige Stiftswappen: die Flügel des Erzengels Michael (heute noch über dem Eingang zur ehem. Kath. Kirche) und die Zahl 1599, das vermutliche Baujahr des Turms.
Bei Bauarbeiten in der Westwand der zweiten Empore wurde dieser Stein mit der kurpfälzer Raute und dem Löwen entdeckt, der mit hoher Wahrscheinlichkeit das an der Uhrentafel erwähnte Wappen darstellt, das jetzt im Treppenhaus angebracht ist. - Über den Gedenktafeln ..
Reste der einstiegen gotischen Kirche wurden in Gestalt eines Schlusssteins mit Gewölberippen gefunden Befindet sich heute im Stadtmuseum - Altes Rathaus); im Fußboden genau an der Treppenwand ein Epitaph mit Messkelch und Oblate, dessen lateinische Inschrift auf einen 1698 in Franken geborenen und 1757 verstorbenen Priester hinweist. Diese Grabplatte wurde im hinteren Teil der Kirche aufgestellt. (Grabplatte des Dekans Stephan Völker 1698 - 1755).
Geschichte der Stadtkirche zu Sinsheim seit 1133

Verbunden mit der Geschichte dieser Kirche ist - wie wohl in allen Gemeinden - auch die Geschichte der Christen in dieser Stadt.
1133
Im Jahre 1133 stiftet Abt Adelgerus den Sinsheimern, um ihnen den mühevollen Anstieg auf den Michaelsberg zu ersparen, und auch den Mönchen, die die Teilnahme der Sinsheimer am Gottesdienst als Störung empfanden, eine neue Pfarrkirche in der Stadt nach der Zwingermühle zu, die dem Apostel Jakobus geweiht war (die Jacobskapelle),
Dieses Gotteshaus tat seinen Dienst als Kirche der Stadt bis 1429. In einer Entscheidung zwischen Herzog Otto I. und dem Abt Siegfried von Venningen wurde festgelegt, dass der Abt als „Pastor der Pfarrkirche zu Sinsheim" eine „neue Kirche" bauen solle, da die Jakobskapelle zu eng geworden war. Unter Kurfürst Ludwig V. wurde an dem Platz der jetzigen Kirche mit unbekanntem Baujahr ( um 1500) eine neue Kirche erbaut, die einen schlanken Turm, ein sehr langes spitz zulaufendes, oben mit einem Hahn versehenes Dach besaß. Im Merian-Stich von 1645 zu sehen. Nahe dieser Kirche stand „eine uralte Kapelle."
1689
In dieser Stadtkirche hielt die reformierte Gemeinde (Calvinisten) ihren Gottesdienst. Am 8. August 1689 brennen französische Truppen die Stadt einschließlich der Kirche bis auf die Grundmauern nieder , so dass nur das Chorgewölbe und die Mauern des Langhauses übrig blieben. Fortan wurde im Chor Gottesdienst gehalten, nachdem man ihn gegen das Langhaus verschlossen, eine Kanzel und etwas Gestühl aufgestellt hatte.
1706/ 07
Wurde durch die Religionsdeklaration in der Kurpfalz „die Teilung der Kirchen und Gefälle" zwischen den Katholiken und Reformierten" verfügt. Es erhielten den Chor die Katholiken und die Reformierten das Langhaus. Für den Ausbau des evang. Teiles der Kirche wurde 1712 in allen reformierten Gemeinden der Kurpfalz eine Kollekte mit Schüsseln durchgeführt, um in Sinsheim den Kirchbau zu ermöglichen; denn noch immer fehlte dem Langhaus das Dach. Wegen der „Scheidemauer", die Chor und Langhaus trennen sollte, gab es zwischen den Beteiligten einen langen Streit, der 1715 mit einem gegenseitigen Vertrag endlich beigelegt wurde. Nun wurde die heute noch stehende Scheidemauer errichtet, und die „nunmehrige reformierte Kirche" geschlossen.
1766
Drohte der Einsturz dieser Kirche, so dass niemand mehr in die Kirche gehen wollte. Das wohl durch den Brand von 1689 mitgenommene Mauerwerk trug den gewölbten Dachstuhl nicht mehr und wich nach der Seite aus. Die Gemeinde verließ das Gotteshaus und zog in die Totenkirche am „Gottesacker", auf dem heute die Carl-Orff-Schule früher (1953) das Wilhelmi-Gynasium steht.
Wegen Baufälligkeit des Turms wurden Glocken und Uhr abgenommen und dieser selbst abgebrochen (1780).
Im Sommer 1781 kam das Langhaus endlich wieder unter Dach, nach der vorangegangenen Reparatur des Mauerwerks. Am 15. 12. 1782 zog die Gemeinde voll großer Freudigkeit in ihr neues Gotteshaus ein.
Das markante Gebäude mit seinem eindrucksvollen Zwiebelturm und den barocken Eingängen zeigt sich dem Betrachter weitgehend in dem äußeren Erscheinungsbild, in dem es 1782/88 errichtet wurde.
Es wurden viele Stiftungen für das neue Gotteshaus gemacht: Förster Raussmüller schenkte einen „fein gearbeiteten Klingelbeutel", Apotheker Greif „eine neue Basler Foliobibel in schwarzem Corduam gebunden mit goldenem Schnitt". Auch die Stadt befand sich mit 40 Eichenstämmen für den Innenausbau unter den Spendern, samt 23 Gemeinden aus der näheren und weiteren Umgebung mit „milden Beisteuern"! An der Gemeinde blieben 800 Gulden Schulden hängen, die aber „durch eine Schlüsselkollekte in reformierten Gemeinden diesseits und jenseits des Rheins" getilgt werden konnten.
Der Innenraum der Kirche wurde allerdings erst 1788 ganz fertiggestellt.
Über den neuen Standort des Kirchturmes allerdings tobte ein jahrelanger Streit zwischen der katholischen und reformierten Gemeinde, so dass erst 1804 die Verhandlungen über seine Errichtung wieder aufgenommen werden konnten. 1806 fand die Grundsteinlegung statt. Die Bauzeit währte wohl etwa 2 Jahre. 1811 hören wir, dass die auf einem Türmchen neben der Kirche provisorisch untergebrachten 2 Glocken auf den neuen Turm gebracht wurden, wo sich 1812 noch eine Glocke der kathol. Gemeinde gehörend einstellte.
1821
Mit der Verkündigung der Union in Baden 1821 ( Zusammenschluss der Lutheraner und Reformierten) wurde in die Kirche eine zweite Empore eingebaut „um alle Protestanten aufzunehmen."
Die Lutheraner hatten seit 1696 eine Kirche in der Rosengasse. (neben dem Haus Würthele). Diese Kirche wurde nun ein Schulhaus.
1930
Im Jahre 1930 wurde bei der Firma Fr. Bettex in Steinsfurt eine Orgel bestellt. „...Leider kann sie erst gegen Ostern aufgestellt werden, ..." also 1931. Diese Orgel erklang nur 36 Jahre.
Die Gemeinde und auch der Organist waren nie glücklich mit dieser Orgel, „...ein geordnetes und liturgisch verantwortbares Spiel war nicht möglich". So Dekan Glöckler im evang. Gemeindeboten August 1961. Im Januar 1932 hieß es bereits im Gemeindeboten „... und auch unser Sorgenkind, die Orgel, konnte uns wenn auch noch nicht völlig fertig, dank der aufopfernden Arbeit von Ingenieur Größel und Orgelbauer Hofmann, die 4 Tage und Nächte ununterbrochen gearbeitet haben, in den Weihnachtstagen zu Ehre Gottes klingen.
1930
Läutewerk der evangelischen Kirche
Das erste elektrische Läutewerk wird 1930 bestellt. Bis dahin hat der Kirchendiener mit Hilfskräften bei großem Geläute die Glocken mit Muskelkraft betätigt. So schreibt Dekan Eisen in der Novemberausgabe des Gemeindeboten 1930.
1931
In der Februarausgabe 1931 steht zu lesen: „...auch das elektrische Geläut wird wohl bald in Betrieb gesetzt werden".
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Sinsheim im Januar 2010
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